Analoge schwarz-weiß Fotografie und was wir davon heute noch lernen können

17

Februar, 2017

Ingo Hoffmann

Heute dominieren in der Fotografie die Digitalkameras. Dies ist eine Entwicklung der letzten 10-15 Jahre, in denen sich die Qualität der digitalen Sensoren stark verbessert hat. 

Wenn ich mir meine ersten Digitalbilder aus dem Jahr 1999 heute ansehe, kann ich über die Qualität nur lächeln. Damals habe ich natürlich noch meine analoge Kamera genutzt und die digital Bilder waren eine nette Spielerei. Das hat sich inzwischen komplett geändert, und auch viele Profis nutzen heute digitale Technik.

Aber es gibt immer noch Fotografen, die analog arbeiten (oder solche, die es wieder tun). Auch dafür gibt es gute Gründe. Der analoge Prozess, mit Film und den Abzügen in der Dunkelkammer, ist auch heute noch interessant

“You are not taking a photograph, you are making it”
Ansel Adams

Seebrücke Sassnitz, Rügen

Bilder wurden schon immer bearbeitet, seit es das Negativ gibt. Nicht nur in der heutigen Zeit mit Software am Computer oder in der Kamera. Viele große Fotografen waren Künstler in der Dunkelkammer. Dort entstand das eigentliche Bild. Das Negativ war auch hier „nur“ das Rohmaterial. Es ist interessant zu vergleichen, wie z.B. das berühmte Bild „Moonrise, Hernandez, New Mexico“ von Ansel Adams in späteren Abzügen deutlich verändert wurde. So hat Adams z.B. den Himmel in den späteren Abzügen fast schwarz belichtet und so den Eindruck des Bildes verändert. Im Internet kann man leicht die verschiedenen Abzüge vergleichen. Das ist also keine Besonderheit der digitalen Fotografie. Techniken wie das Nachbelichten und Abwedeln (dodge and burn) zum gezielten aufhellen oder abdunkeln von bestimmten Teilen des Bildes hat es auch in der analogen Dunkelkammer gegeben. Ansel Adams war darin ein Meister.

Heute wird dies in der digitalen Dunkelkammer mittels Software gemacht – das Prinzip ist aber das gleiche. Und ein Verständnis der analogen Prozesse kann jedem Fotografen helfen, bessere Ergebnisse in der digitalen Welt zu erzielen. Viele Funktionen von Software wie z.B. Lightroom basieren auf den analogen Prozessen. Oder versuchen diese nachzubilden.

Ein großer Unterschied zwischen dem analogen Fotografieren und der digitalen Variante besteht in der Speicherung der Aufnahme. Im analogen Prozess ist dazu ein Film notwendig, auf den die Aufnahme belichtet wird. Man musste vor der Aufnahmen entscheiden, was für ein Film verwendet werden soll. Dia oder Negativ? Farbe oder schwarz-weiss? Und welche Empfindlichkeit (und damit welche Körnung)? All dies kann im digitalen Prozess an der Kamera bzw. später in der Nachbearbeitung entschieden werden. Und die Speicherkarten heute ermöglichen fast unbegrenzte Anzahl von Aufnahmen. Da analoger Film begrenzt war mussten man die Aufnahmen gut planen. Es war mehr Konzentration auf Motiv und Aufnahme nötig, da die Anzahl der Aufnahmen begrenzt war (selbst mit vielen Filmrollen kam man nicht annähern an eine 64GB Speicherkarte heran). Man konnte das Ergebnis auch nicht sofort kontrollieren. Die Aufnahme musste also „sitzen“. Das hat mehr Aufmerksamkeit erfordert, als dies heute bei vielen Aufnahmen der Fall ist. Vielleicht ein Grund, warum der analoge Prozess wieder mehr und mehr Freunde findet. Auf jeden Fall eine gute Schule

In der analogen schwarz-weiß Fotografie ist der Einsatz von Farbfiltern ein wichtiges Gestaltungselement. So wird durch den Einsatz eines orange / rot Filters z.B. ein blauer Himmel dunkler, da das blaue Licht geblockt wird. Daher werden Farbfilter für analogen schwarz-weiß Film sehr häufig verwendet, sind aber in der digitalen Fotografie nicht mehr von Bedeutung. Hier können die Helligkeitswerte jeder Farbe in der digitalen Dunkelkammer bearbeitet und geändert werden.

Die Grundlagen der analogen schwarz-weiß Fotografie haben also weiterhin Bedeutung. Komposition, Aufbau des Bilds, Belichtung, und die Nachbearbeitung in der Dunkelkammer sind auch im digitalen Workflow wichtig.

Das Studieren der Bilder von großen Fotografen hilft mir zu verstehen, was ein gutes schwarz-weiß Bild ausmacht. Es kann Anregungen geben für eigene Fotos und Interpretationen. Es ist auch interessant sich Bilder aus Bereichen anzusehen, die nicht so sehr im eigenen Fokus sind. Streetfotografie von Henri Cartier-Bresson zum Beispiel für Fotografen, die sich mehr mit stillen Objekten wie Landschaft oder Architektur beschäftigen.

Ein besonderes Buch für mich ist das Werk von Sebastiao Selgado – Genesis. Nicht nur ein grandioses Projekt mit fantastischen Bildern. Interessant hier ist auch , dass Delgado das Projekt sowohl analog als auch digital fotografiert hat. Erst als er der Überzeugung wahr, mit der digitalen Technik die gleiche Qualität zu erreichen, wie er es analog gewohnt war, ist er umgestiegen. Und da das Projekt über einige Jahre lief, war dieser Zeitpunkt irgendwann gekommen. Trotzdem sieht man den Bildern nicht an, wie sie entstanden sind. Schauen sie sich den Bildband unbedingt an, wenn sie die Möglichkeit haben. Oder besser noch, kaufen sie ihn. Für die Qualität ist es ein Schnäppchen!

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